#BestPraxisGründer – Anstellung oder Selbständigkeit: Die Entscheidung ehrlich durchdacht
Kurzzusammenfassung
Der Wunsch nach der eigenen Praxis entsteht oft aus fachlichem Ehrgeiz – und übersieht dabei, dass Selbständigkeit zwei völlig andere Rollen mit sich bringt: die des Managers und die des Unternehmers.
Ob eine Praxis wirtschaftlich erfolgreich ist, entscheidet sich selten in der Behandlung. Es entscheidet sich auf diesen beiden zusätzlichen Ebenen.
Dieser Beitrag zeigt an einem realen Beratungsfall, warum diese ehrliche Selbsteinschätzung wichtiger ist als jede Chance, die sich gerade bietet.
Vier Ebenen entscheiden, ob Selbständigkeit zu Ihnen passt
Der Ausgangspunkt aus der Beratung
Ein junger Zahnarzt kam zu mir, weil sich ihm eine besondere Gelegenheit bot: Er sollte die Praxis seines Onkels übernehmen können – eine sehr ertragreiche Einzelpraxis mit weit überdurchschnittlichem Umsatz und Gewinn.
Er selbst war zuvor lange in der Forschung tätig gewesen und sah das Angebot zunächst als große Chance.
Im Gespräch zeigte sich jedoch schnell: Er hatte sich bewusst für die Forschung entschieden – gerade weil er zwar fachliche, aber keine personenbezogene Verantwortung übernehmen wollte. Hinzu kam, dass ihm jede praktische Erfahrung im Praxisalltag fehlte. Eine so umsatzstarke Praxis zu übernehmen und zu halten, wäre für ihn kaum realistisch gewesen.
=> Eine gute Gelegenheit ist noch keine gute Entscheidung – erst die Selbsteinschätzung macht daraus die richtige oder die falsche.
Mein BestPraxis-Modell: vier Ebenen, aber nur zwei sind Pflicht
Um solche Fälle einzuordnen, arbeite ich mit einem Modell, das ich selbst entwickelt habe – adaptiert aus betriebswirtschaftlichen Grundprinzipien und zugeschnitten auf die Arzt- und Zahnarztpraxis.
Ich nenne es mein BestPraxis-Modell. Es unterscheidet vier Ebenen:
- Die persönliche Ebene: "Individuum"
Jeder Mensch bringt eigene Stärken mit – manche arbeiten lieber mit Zahlen, andere lieber mit Menschen. - Die fachliche Ebene: "Zahn-/Arzt"
Das Studium und Fortbildungen bilden fachlich aus und vermittelt das medizinische bzw. zahnmedizinische Handwerkszeug.
Diese beiden Ebenen reichen für eine Anstellung vollkommen aus. Wer mehr möchte, dem kommen – bewusst oder unbewusst – zwei weitere Ebenen hinzu:
- Die Manager-Ebene: "Manager"
Hier geht es darum, den Laden am Laufen zu halten: Patientengewinnung und -führung, Personalorganisation und -führung, der Austausch mit Steuerberater, Rechtsanwalt, Abrechnung und weiteren Partnern. - Die Unternehmer-Ebene: "Unternehmer"
Hier werden die Weichen für die Zukunft gestellt – welche Patienten künftig behandelt werden, welche Leistungen angeboten werden, mit wem und wo gearbeitet wird.
=> Wer selbständig wird, übernimmt nicht nur mehr Arbeit auf derselben Ebene, sondern zwei völlig neue Ebenen dazu.
Warum der Erfolg selten in der Behandlung entschieden wird
Genau hier liegt eine Erkenntnis, die viele überrascht: Der wirtschaftliche Erfolg einer Praxis hängt deutlich weniger von der fachlichen Ebene ab als von der Manager- und Unternehmerebene.
Ich habe fachlich exzellente Ärzte und Zahnärzte erlebt, deren Praxis wirtschaftlich schwächelte – und umgekehrt Praxen, die trotz durchschnittlicher fachlicher Ausrichtung hervorragend liefen, weil Organisation und unternehmerische Entscheidungen stimmten.
Nur wer bereit ist, sich aktiv um diese beiden zusätzlichen Ebenen zu kümmern, ist in der Selbständigkeit auf Dauer erfolgreich.
=> Fachlich exzellent zu arbeiten ist die Grundvoraussetzung – aber nicht die Erfolgsformel für die eigene Praxis.
Was für die Anstellung spricht – und warum das kein Makel ist
Dass sich viele angestellte Ärzte und Zahnärzte bewusst gegen diese beiden zusätzlichen Ebenen entscheiden, zeigt auch die Studie „Niederlassen oder lieber lassen?" der apoBank aus dem Jahr 2022: Rund zwei Drittel der befragten angestellten Zahnärztinnen und Zahnärzte nannten die fehlende unternehmerische Verantwortung als wichtigen Grund für ihre Entscheidung.
Das ist keine Schwäche, sondern eine ehrliche Selbsteinschätzung. Anstellung bedeutet, sich voll auf die persönliche und fachliche Ebene konzentrieren zu können – ohne die zusätzliche Last von Organisation und unternehmerischer Verantwortung.
=> Sich bewusst gegen Manager- und Unternehmerrolle zu entscheiden ist genauso legitim wie sich bewusst dafür zu entscheiden.
Die ehrliche Frage vor jeder Entscheidung
Am Ende führt für mich kein Weg an einer einzigen Frage vorbei:
Wollen Sie Manager und Unternehmer sein – nicht nur dem Titel nach, sondern im Alltag?
Mein Mandant aus dem eingangs geschilderten Fall hat diese Frage für sich ehrlich beantwortet. Er erkannte, dass er die beiden oberen Ebenen gar nicht ausfüllen wollte – und kam so zu dem Schluss, dass die Selbständigkeit für ihn schlicht nicht die richtige Wahl war. Trotz der wirtschaftlich verlockenden Gelegenheit.
=> Die richtige Entscheidung ist nicht die, die sich bietet – sondern die, die zu Ihnen passt.
Niemand kann das von Anfang an – aber man muss es lernen wollen
Ein wichtiger Punkt darf hier nicht fehlen: Kaum jemand bringt Manager- und Unternehmerkompetenz bereits zum Zeitpunkt der Selbständigkeit mit. Das ist auch gar nicht die Erwartung.
Entscheidend ist nicht, ob Sie diese beiden Ebenen heute schon beherrschen. Entscheidend ist, ob Sie bereit sind, sie zu lernen – und sich dabei begleiten zu lassen.
Genau das ist meine Aufgabe: Mediziner Schritt für Schritt zu Unternehmern weiterzuentwickeln. Das mache ich seit Jahrzehnten, und es ist meine eigentliche Stärke.
=> Die Frage ist nicht, ob Sie schon Manager und Unternehmer sind – sondern ob Sie es werden wollen.
Fazit: Selbständigkeit ist eine Frage der Ebenen, nicht des Mutes
Ob Anstellung oder Selbständigkeit die richtige Wahl ist, entscheidet sich nicht daran, ob jemand sich traut oder nicht. Es entscheidet sich daran, ob jemand bereit ist, zusätzlich zur fachlichen Arbeit auch Manager und Unternehmer zu sein.
Wer diese Frage ehrlich für sich beantwortet, trifft die richtige Entscheidung – ganz unabhängig davon, wie gut die Gelegenheit gerade aussieht.
=> Nicht jeder muss Chef werden. Aber jeder sollte wissen, warum er es wird oder eben nicht.
Frage an Sie
Wenn Sie ehrlich sind: Reizt Sie an der Selbständigkeit vor allem die fachliche Freiheit – oder auch die Rolle als Manager und Unternehmer?
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Wenn Sie herausfinden möchten, ob Selbständigkeit wirklich zu Ihnen passt – oder wie Sie sich auf die Manager- und Unternehmerrolle vorbereiten können –, vereinbaren Sie gerne ein kostenfreies und unverbindliches Orientierungsgespräch.
Über diesen Beitrag
Die Inhalte dieses Beitrags stammen aus meiner täglichen Beratungspraxis – aus realen Mandantengesprächen, echten Praxisfällen und über 25 Jahren Erfahrung in der betriebswirtschaftlichen Beratung von Ärzten und Zahnärzten. Bei der sprachlichen Ausarbeitung nutze ich digitale Werkzeuge.
Themenwahl, fachliche Inhalte und Freigabe liegen ausschließlich bei mir.
Michael Kreuzer, Diplom-Kaufmann und Geschäftsführer der BestPraxis GmbH
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