#Existenzgründer – Praxisfinanzierung richtig planen

Praxisfinanzierung bei Praxisübernahme und Neugründung – warum der Kaufpreis allein nicht reicht

Kurzzusammenfassung

Viele Existenzgründer planen ihre Finanzierung rund um den Kaufpreis einer Praxis. In der Realität entstehen jedoch häufig weitere Kosten, die anfangs nicht ausreichend berücksichtigt wurden.

Gleichzeitig sollte die Finanzierung auch nicht unnötig hoch angesetzt werden.

Eine gute Planung schafft den richtigen Mittelweg und sorgt für finanzielle Sicherheit.


Der Ausgangspunkt aus der Beratung

In meiner Beratung erlebe ich immer wieder, dass sich Existenzgründer zunächst auf eine Zahl konzentrieren:

=> den Kaufpreis der Praxis.

Das ist verständlich. Schließlich steht dieser meist im Mittelpunkt der Gespräche mit Abgebern und Banken.

Die eigentliche Herausforderung beginnt jedoch häufig erst danach.

Denn viele Kosten werden zu Beginn unterschätzt oder gar nicht eingeplant.


Praxisfall 1: „Wir investieren möglichst wenig“

Eine junge Zahnärztin wollte die Praxis übernehmen, in der sie bereits angestellt tätig war.

Der Mietvertrag hatte jedoch nur noch eine Restlaufzeit von acht Jahren.

Deshalb entstand die Überlegung:

=> Möglichst wenig investieren.

Neben dem Kaufpreis war zunächst kaum etwas eingeplant.

Auf den ersten Blick erscheint dieser Gedanke nachvollziehbar.

In der Praxis zeigt sich jedoch häufig, dass auch nach einer Übernahme Investitionen notwendig werden.

Nicht alles sofort. Aber vieles früher als gedacht.


Praxisfall 2: Wenn die Überraschungen erst beim Umbau beginnen

Ein anderer Mandant übernahm eine Praxis in einem älteren Gebäude. Für den Umbau war bereits ein Budget vorgesehen.

Während der Renovierung stellte sich jedoch heraus, dass die elektrische Installation erhebliche Mängel aufwies. Vereinfacht gesagt führte bereits der Ausfall einer einzelnen Glühbirne dazu, dass große Teile der Praxis ohne Strom waren.

Erst im Rahmen der Umbauarbeiten wurden diese Probleme sichtbar.

Die Folge:

=> Die Umbaukosten verdoppelten sich nahezu.

Solche Überraschungen sind selten planbar.

Sie kommen jedoch häufiger vor, als viele Gründer vermuten.


Welche Kosten neben dem Kaufpreis berücksichtigt werden sollten

Der Kaufpreis ist häufig nur ein Teil der Finanzierung.

Je nach Situation sollten beispielsweise auch folgende Positionen berücksichtigt werden:

  • Praxisinvestitionen
  • Umbauten und Modernisierungen
  • Erstanschaffung von Material
  • Marketingkosten
  • Gründungskosten
    • Steuerberater
    • Rechtsanwalt
    • Unternehmensberater
  • Liquiditätspuffer

Gerade der Puffer wird häufig unterschätzt.

Dabei sorgt er oft dafür, dass unerwartete Entwicklungen nicht sofort zu finanziellen Problemen führen.


Besonderheiten bei einer Neugründung

Noch wichtiger wird dieses Thema bei einer Praxisneugründung.

Denn hier fehlt zunächst das, was bei einer Übernahme oft bereits vorhanden ist:

=> laufender Umsatz.

Bis ausreichend Patienten gewonnen wurden und die Einnahmen die laufenden Kosten zuverlässig decken, vergeht häufig deutlich mehr Zeit als ursprünglich angenommen.

Deshalb kann es sinnvoll sein, einen Teil der Anlaufkosten mitzufinanzieren.

Typische Beispiele sind:

  • laufende Praxiskosten
  • Marketingmaßnahmen
  • private Lebenshaltungskosten

In vielen Fällen wird hierfür ein separates Darlehen genutzt, das beispielsweise über fünf Jahre läuft und nicht über die gesamte Laufzeit der Praxisfinanzierung.

Gerade bei einer Neugründung ist es wichtig, die Anlaufphase realistisch zu planen und nicht davon auszugehen, dass die Praxis bereits nach wenigen Monaten die gewünschten Umsätze erreicht.


Warum auch eine zu hohe Finanzierung problematisch sein kann

Wer diese Risiken kennt, könnte zu dem Schluss kommen:

Dann finanziere ich einfach möglichst großzügig.

So einfach ist es jedoch nicht.

Banken begrüßen zwar eine vernünftige Vorsorge.

Ein übertriebener Finanzierungsbedarf kann jedoch Fragen aufwerfen.

Denn die Bank prüft auch:

  • die Wirtschaftlichkeit
  • die Rückzahlungsfähigkeit
  • die Plausibilität der Planung

=> Eine gute Finanzierung ist deshalb weder zu knapp noch zu großzügig geplant.

Es geht darum, einen realistischen Mittelweg zu finden.


Warum die Fristenkongruenz wichtig ist

Ein weiterer Punkt wird häufig übersehen:

=> die Fristenkongruenz.

Vereinfacht bedeutet das:

Die Laufzeit einer Finanzierung sollte zur Abschreibungsdauer des finanzierten Objektes passen.

Ein Beispiel:

  • Praxisübernahme: langfristige Finanzierung
  • Umbauten: mittelfristige Finanzierung
  • Anlaufkosten: eher kurzfristige Finanzierung

Dadurch entstehen häufig bessere und nachvollziehbarere Finanzierungsstrukturen.


Warum eine Business-Planung bei der Finanzierung so wertvoll ist

Genau an dieser Stelle zeigt sich der große Nutzen einer Business-Planung.

Denn viele Finanzierungsentscheidungen lassen sich nur schwer aus dem Bauch heraus treffen.

Eine gute Business-Planung hilft dabei, Antworten auf wichtige Fragen zu finden:

  • Wie hoch sollte die Finanzierung tatsächlich sein?
  • Welche Auswirkungen hat eine höhere oder niedrigere Finanzierung?
  • Welchen Umsatz bzw. welches Honorar muss die Praxis erwirtschaften?
  • Reicht der geplante Gewinn aus, um alle Verpflichtungen zu erfüllen?

Besonders wichtig ist dabei:

=> Nicht nur die Praxiskosten müssen bezahlt werden.

Sondern auch:

  • Steuern
  • Beiträge zur Ärzteversorgung
  • private Lebenshaltungskosten
  • Zinsen
  • und Tilgungen

Gerade bei Darlehen wird die Situation häufig unterschätzt. Denn die Zinsen erscheinen als Aufwand in der BWA und mindern den steuerlichen Gewinn.

Die Tilgung dagegen erscheint dort nicht. Sie muss später aus dem verbleibenden Geld bezahlt werden – also nach Gewinn, Steuern und häufig auch nach den Beiträgen zur Ärzteversorgung.

Deshalb ist die tatsächliche Belastung einer Finanzierung oft schwer einzuschätzen.

Eine Business-Planung macht diese Zusammenhänge sichtbar.

So lässt sich beispielsweise relativ einfach simulieren,

  • welche Auswirkungen eine Finanzierungserhöhung um 50.000 € hat,
  • wie sich die monatliche Belastung verändert,
  • oder welcher zusätzliche Umsatz notwendig wird.

=> Genau dadurch entsteht Planungssicherheit – sowohl für den Gründer als auch für die finanzierende Bank.


Fazit: Die Finanzierung entscheidet oft über den Start

Viele Finanzierungen scheitern normalerweise nicht am Kaufpreis.

Probleme entstehen häufig durch Kosten, die zu Beginn nicht ausreichend berücksichtigt wurden.

Deshalb lohnt es sich, die Finanzierung nicht nur auf den Kaufpreis zu reduzieren.

=> Eine gute Planung schafft finanzielle Sicherheit.

=> Und finanzielle Sicherheit schafft unternehmerische Handlungsfreiheit.


Frage an Sie

Wenn Sie heute eine Praxis übernehmen würden: Welche Kosten würden Sie neben dem Kaufpreis in Ihrer Finanzierung berücksichtigen?


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