#BestPraxisTipp – Privatentnahmen richtig verstehen
Privatentnahmen in Arzt- und Zahnarztpraxen – warum oft mehr Geld entnommen wird als gedacht
Kurzzusammenfassung
Viele Praxisinhaber orientieren sich bei ihren Privatentnahmen ausschließlich an dem Betrag, der monatlich auf das Privatkonto überwiesen wird.
Tatsächlich umfasst das Konto „Privatentnahmen“ jedoch deutlich mehr Positionen. Dadurch entstehen häufig Fehleinschätzungen über die tatsächliche finanzielle Situation.
Mit einer klaren Struktur und etwas Transparenz lässt sich dieses Problem oft vermeiden.
Der Ausgangspunkt aus der Beratung
Ein Mandant fragte mich kürzlich:
Wie viel Geld kann ich eigentlich aus meiner Praxis entnehmen?
Eine einfache Frage.
Die Antwort ist jedoch häufig deutlich komplizierter.
Denn viele Praxisinhaber kennen zwar ihren Umsatz und oft auch ihren Gewinn.
Bei den tatsächlichen Privatentnahmen wird es jedoch häufig ungenau.
Was zählt eigentlich alles zu den Privatentnahmen?
Tatsächlich gehören jedoch nahezu alle Zahlungen dazu, die vom Praxiskonto für private Zwecke geleistet werden.
Dazu zählen beispielsweise:
- private Lebenshaltungskosten
- private oder gesetzliche Krankenversicherung
- Berufsunfähigkeitsversicherung
- weitere private Versicherungen
- Beiträge zur Ärzteversorgung
- Einkommensteuer-Vorauszahlungen
- Einkommensteuer-Nachzahlungen
- Tilgungen von Darlehen
- Zinsen für private Darlehen
- Barentnahmen
- private Kreditkartenzahlungen
Wichtig:
=> Nicht jede Privatentnahme wird tatsächlich ausgegeben.
Oft werden Gelder lediglich vom Praxiskonto auf andere Konten verschoben, um Rücklagen für Steuern oder die Ärzteversorgung aufzubauen.
Deshalb bedeutet das Konto „Privatentnahmen“ nicht automatisch, dass das Geld verbraucht wurde.
Warum viele Privatentnahmen unterschätzt werden
In Beratungen höre ich häufig:
Ich entnehme jeden Monat immer denselben Betrag.
Das ist häufig auch richtig. Zumindest teilweise.
Denn oft existiert ein fester Dauerauftrag auf das Privatkonto. Wenn man sich jedoch das Einzelkonto der Privatentnahmen genauer ansieht, zeigt sich häufig ein anderes Bild.
Neben dem Dauerauftrag finden sich oft zusätzliche Entnahmen:
- für Urlaubsreisen
- für Reparaturen
- für größere Anschaffungen
- zur Ausgleichung eines überzogenen Privatkontos
Dadurch liegen die tatsächlichen Privatentnahmen nicht selten deutlich höher als ursprünglich vermutet.
=> Das Einzelkonto der Privatentnahmen sollte deshalb regelmäßig überprüft werden.
Warum eine gute Kontenstruktur hilfreich ist
Viele Steuerberater verbuchen Privatentnahmen sehr pauschal.
Dadurch geht wertvolle Transparenz verloren.
Dabei lassen sich viele Informationen mit wenigen Anpassungen deutlich besser darstellen.
Beispielsweise empfehle ich häufig:
Konto Privatsteuern
Unterkonto 1:
- Vorauszahlungen aktuelles Jahr
Unterkonto 2:
- Nachzahlungen Vorjahre
Konto Sonderausgaben
Unterkonto 1:
- Ärzteversorgung laufendes Jahr
Unterkonto 2:
- Nachzahlungen Ärzteversorgung
Dadurch wird deutlich schneller sichtbar, welche Zahlungen laufend entstehen und welche außergewöhnlich sind.
Meine Empfehlung für mehr Transparenz
Aus meiner Sicht hat sich folgende Vorgehensweise bewährt:
=> Lassen Sie sich einen festen Betrag auf Ihr Privatkonto überweisen.
Versuchen Sie, die laufenden privaten Ausgaben über diesen Betrag zu finanzieren.
Betrachten Sie das Praxiskonto nicht als zweites Privatkonto.
Wenn sich zeigt, dass der Ertrag der Praxis dauerhaft ausreichend hoch ist, kann dieser Betrag später angepasst werden.
Dadurch behalten Sie deutlich besser den Überblick über Ihre tatsächlichen privaten Ausgaben.
Warum eine Business-Planung hier besonders wertvoll ist
Genau an dieser Stelle zeigt sich der Nutzen einer guten Business-Planung.
Denn entscheidend ist nicht nur,
- was bereits entnommen wurde
sondern auch,
- welche Steuerzahlungen noch kommen
- welche Nachzahlungen bei der Ärzteversorgung zu erwarten sind
- welche Liquidität künftig benötigt wird
Wir betrachten deshalb regelmäßig die Höhe der Privatentnahmen.
Keine Sorge:
=> Es geht dabei nicht darum, wofür das Geld ausgegeben wird.
Das ist Privatsache.
Wichtig ist lediglich, ob die Entnahmen dauerhaft zur wirtschaftlichen Situation der Praxis passen.
Fazit: Transparenz schafft Sicherheit
Die Höhe der Privatentnahmen ist oft nicht das eigentliche Problem.
Das Problem ist häufig die fehlende Transparenz.
Wer genau weiß,
- wie viel tatsächlich entnommen wird
- welche Rücklagen bereits gebildet wurden
- und welche Zahlungen noch bevorstehen
trifft bessere Entscheidungen und vermeidet unangenehme Überraschungen.
Frage an Sie
Wüssten Sie spontan, wie hoch Ihre tatsächlichen Privatentnahmen im vergangenen Jahr wirklich waren?
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