#BestPraxisTipp – Steuervorauszahlungen jetzt anpassen: Warum das dritte Quartal der beste Zeitpunkt ist
Kurzzusammenfassung
Bei steigendem Gewinn drohen nicht nur eine Steuernachzahlung, sondern durch die zeitversetzte Systematik des Finanzamts gleich drei Zahlungen in Folge – und je nach Bundesland zusätzlich eine Nachzahlung an die Ärzteversorgung.
Wer das rechtzeitig erkennt, kann die Vorauszahlungen vorausschauend anpassen – und vermeidet, dass mehrere Jahre auf einen Schlag zusammentreffen.
Dieser Beitrag zeigt an einem realen Beratungsfall, wie dieser Mechanismus funktioniert, warum das dritte Quartal der beste Zeitpunkt zum Handeln ist – und wie viel Anpassung wirklich sinnvoll ist.
Eine Steigerung, mehrere Zahlungen – was viele bei Steuervorauszahlungen übersehen
Ein Beratungsfall aus der Praxis
Eine Ärztin kam zu mir, weil sie eine hohe Steuernachzahlung leisten musste – ihr Steuerberater hatte sie darauf nicht rechtzeitig hingewiesen. Die Vorauszahlungen waren einfach nicht mehr angepasst worden, obwohl ihr Gewinn deutlich gestiegen war.
Zunächst musste die Nachzahlung überhaupt finanziert werden. Das ist gar nicht so einfach: Banken finanzieren Steuerzahlungen ungern, da sie keinen Gegenwert wie eine Immobilie oder ein Gerät darstellen. In ihrem Fall hatten wir Glück im Unglück – sie besaß eine Immobilie, über die sich die Finanzierung als Immobiliendarlehen darstellen ließ.
Anschließend haben wir eine Business-Planung aufgesetzt. Mit einem vierteljährlichen Soll-Ist-Abgleich kannten wir jederzeit die aktuelle Ertragslage und konnten die zu erwartende Steuerlast frühzeitig hochrechnen. Auf dieser Basis haben wir die Vorauszahlungen schrittweise angepasst – und genau das verhindert seither, dass sich die Situation wiederholt.
=> Eine einzige verpasste Anpassung kann sich über Jahre fortsetzen – wer frühzeitig plant, durchbricht diesen Kreislauf.
Warum eine Gewinnsteigerung gleich mehrere Zahlungen auslösen kann
Das ist der Kern, den die wenigsten kennen – und der genau dieses Problem so gefährlich macht. Die Steuererklärung für ein Jahr wird erst gut eineinhalb Jahre später final bearbeitet. Steigt der Gewinn in einem Jahr deutlich, entsteht daraus nicht nur eine einzelne Nachzahlung, sondern gleich eine Kaskade von drei Zahlungen:
- Die "Nachzahlung" für das betroffene Jahr selbst:
Sobald die Steuererklärung bearbeitet ist, wird die Differenz zur bisherigen Vorauszahlung fällig. - Eine "nachträgliche Vorauszahlung" für das Folgejahr:
Da die alte, zu niedrige Vorauszahlung auch für das nächste Jahr galt, muss diese Lücke rückwirkend nachgezahlt werden. - Eine erhöhte laufende "Vorauszahlung" für das übernächste Jahr:
Das Finanzamt setzt die künftige Vorauszahlung auf Basis des neuen, höheren Gewinns fest.
Alle drei Beträge werden faktisch zum selben Zeitpunkt fällig – nämlich dann, wenn der Steuerbescheid für das ursprüngliche Jahr eintrifft. In Summe können daraus erhebliche Beträge werden, die viele Praxisinhaber kalt erwischen.
Und in vielen Bundesländern kommt noch etwas hinzu: Bemisst sich der Beitrag zur Ärzteversorgung nach dem bereinigten Berufseinkommen – also nach dem Praxisgewinn –, zieht eine Steuernachzahlung meist auch eine Nachzahlung an die Ärzteversorgung nach sich. Eine Ausnahme gilt nur, wenn bereits der erhöhte oder der Höchstbeitrag gezahlt wird – im letztgenannten Fall ändert eine höhere Gewinnfeststellung nichts mehr an der Beitragshöhe.
=> Eine Gewinnsteigerung heute kann sich erst anderthalb Jahre später zeigen – dann aber gleich mehrfach, und oft an zwei verschiedenen Stellen zugleich.
Warum das dritte Quartal der richtige Moment ist
Genau jetzt, im dritten Quartal, liegt der ideale Zeitpunkt für eine Zwischenbilanz. Es liegen bereits ausreichend Zahlen aus dem laufenden Jahr vor, um die Gewinnentwicklung realistisch einzuschätzen. Gleichzeitig bleibt noch genug Zeit, um die Vorauszahlungen für das laufende Jahr anzupassen und Rücklagen für die kommenden Zahlungen zu bilden.
Wer bis zum Jahresende wartet, hat diesen Spielraum nicht mehr.
=> Jetzt ist der Moment, an dem Rechnen noch etwas verändern kann.
Wie viel Anpassung wirklich sinnvoll ist
Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt. Steigt der Gewinn erkennbar, sollte die Vorauszahlung angepasst werden – aber in einem vernünftigen Maß.
Wer zu stark erhöht, hat ein anderes Problem: Sinkt der Gewinn zum Jahresende wieder, ist das gezahlte Geld bis zum endgültigen Steuerbescheid gebunden – oft für Monate.
Die bessere Strategie: Realistisch einschätzen, wie hoch der Gewinn mindestens ausfallen wird, dafür die Steuer zurücklegen – und für den Fall weiter steigender Zahlen zusätzlich einen Puffer einplanen, statt die Vorauszahlung sofort auf den bestmöglichen Fall hochzusetzen.
=> Ziel ist nicht die höchstmögliche Vorauszahlung, sondern die realistisch richtige.
Fazit: Ein Antrag mit großer Wirkung
Eine Anpassung der Steuervorauszahlung ist wenig Aufwand – ein formloser Antrag beim Finanzamt mit nachvollziehbarer Begründung genügt in der Regel. Die Wirkung dafür ist umso größer: Sie verhindert, dass mehrere Jahre an Steuerlast – und je nach Bundesland auch an Beiträgen zur Ärzteversorgung – auf einen Schlag zusammentreffen.
=> Wer im dritten Quartal einmal genau hinschaut, erspart sich im Folgejahr eine böse Überraschung an gleich zwei Stellen.
Frage an Sie
Wissen Sie, ob Ihre aktuelle Steuervorauszahlung noch zu Ihrem tatsächlichen Gewinn dieses Jahres passt?
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Wenn Sie wissen möchten, ob Ihre Steuervorauszahlungen noch zu Ihrer aktuellen Ertragslage passen, vereinbaren Sie gerne ein kostenfreies und unverbindliches Orientierungsgespräch.
Über diesen Beitrag
Die Inhalte dieses Beitrags stammen aus meiner täglichen Beratungspraxis – aus realen Mandantengesprächen, echten Praxisfällen und über 25 Jahren Erfahrung in der betriebswirtschaftlichen Beratung von Ärzten und Zahnärzten. Bei der sprachlichen Ausarbeitung nutze ich digitale Werkzeuge.
Themenwahl, fachliche Inhalte und Freigabe liegen ausschließlich bei mir.
Michael Kreuzer, Diplom-Kaufmann und Geschäftsführer der BestPraxis GmbH
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